Elisabeth T., April 2007 PDF Drucken E-Mail

Nach ausgiebigem Nachkuren in einem Bungalow auf dem Cliff in Varkala/Suedindien und 2-woechigem Aufenthalt bei Freunden in Bangalore zeigt sich die Wirkung der reinigenden 4-woechigen Panchakarma-Kur bei Dr. Darly im Matha Ayurveda Hospital in der Naehe von Alleppey.

In meiner Mitte ruhend, voller Kraft und dennoch tiefen Gelassenseins geniesse ich die frische Bergluft der Dharamsala. Ich fuehle mich leicht und frei. Mein ungezuegelter Appetit auf Schokolade, Fleisch oder ein Bier gehoeren der Vergangenheit an.

Die vegetarische Kost in Indien, vor allem in Dr. Darlys Hospital ist sehr schmackhaft und vielseitig. Das rechte Mass, zur rechten Zeit, laesst meine Mahlzeiten wieder zum Grundsatz: "Ich esse, um zu leben!" werden. Vorher lebte ich u.a. um zu speisen und zu schwelgen.

Meine Figur ist wieder in Form. Langsam jedoch stetig verschwinden die Speckschichten. Schriftlich gesetzte Ziele der Kur: Reinigung, Verjuengung und Gewichtsreduzierung. Zu meinem Leidwesen erreichte ich letzteres erst nach und nach. Das immense Schwitzen, das lt. Dr. Darly durch zuviel Fett im Koerper entsteht, ist ebenfalls geschwunden.

Die Wahl der Klinik in Alleppey war fuer mich genau die richtige. Die Vorortlage zwischen den Fischern mit all ihrer Lebendigkeit, das Rarara der Raben, die Musik oder Gesaenge der Tempel rechts und links, das naechtliche Bell-Konzert der Strassenhunde, Geraeusche von Wasserpumpen und nicht zuletzt die Menschen an der Omnibushaltestelle. Eins mit allem zu werden, bedeutete, Einzutauchen in die Palette aller Toene, und dabei den Wind in den Palmen und Mangobaeumen heraushoeren zu koennen.

Eingebettet in einen regelmaessigen Tagesablauf mit heissem Tee zum Wecken, Yoga-Unterricht auf der Dachterrasse, die aufgehende Sonne auf dem Gesicht spueren, einem warmen Fruehstueck mit leckersten Keralaspezialtitaeten, Visite von Dr. Darly mit Blutdruckmessen und intensiven Gespraechen ueber Verlauf der Kur, Vormittagsbehandlung, Ruhen, Mittagessen - Ueberraschungen verschiedener Speisen, versteckt unter den Deckeln von ca. 20 Toepfen - Schaukeln in einer der Haengematten im Garten, Nachmittagsbehandlungen, Spaziergaenge am Meer mit romantischen Sonnenuntergaengen, Abendessen u. geselliges Beisammensein auf der Terrasse vor dem Haus.

Dr. Darly mit ihrer einfuehlenden und intuitiven Art der Patientenbetreuung ist mir eine liebe Freundin geworden. Sie und ihre Familie erfuellten jeden geaeusserten Wunsch in kuerzester Zeit. Da ich mir das heisseste Zimmer in der Dependance ausgesucht hatte, befestigten sie einen Sonnenschutz vor beiden Fenstern.

Damit ich waehrend der Behandlung meine Lieblingsmusik wuenschte, erhielt ich einen CD Player. Um taeglich in mein Tagebuch schreiben zu koennen, stellte sie mir einen Stuhl mit Tisch zur Verfuegung, wie ich sie aus der Uni von Trivandrum kenne.

Als der Gaertner mit einem Wagen voller Blumen vorfuhr, durfte ich zwei Topfpflanzen fuer die Eingangstuer zu meinem Zimmer aussuchen. Dankbar entschied ich mich fuer Bouganville in weiss und pink.

Mein Therapeutenteam Dhanya und Priya gaben sehr liebevoll ihr Bestes. Nach einigen Hinweisen von mir, massierten sie voller Hingabe synchron, lockerten den Druck und bezogen Haende und Fuesse mit ein. Somit wurde aus der methodischen "medizinischen" Massage nach und nach eine gefuehlvollere rhythmische Massage. Das ermoeglichte mir ein entspanntes Mich-Fallen-Lassen.

Waehrend ihrer Ausbildung lernen die Therapeuten an Patienten. An sich selbst erfuhren sie die wundervolle Wirkung des sich Beruehrens, der Abhyanga, des Oelbades usw. nicht. Das sieht ihre Kultur nicht vor. Vor ihrer Ehe zeigen sie sich niemandem entbloesst. Verhuellt vom Hals bis zum Knie, sind alle anderen Koerperregionen sacred places. Ihr Schamgefuehl in allen Ehren! Ich frage mich, wieso sie dann von den europaeischen Patientinnen annehmen, dass diese sich ohne einen Sichtschutz zwischen den Beinen vor ihren Augen wohlfuehlen? Diese Bemerkung stimmte meine Beiden nachdenklich. Zum Schluss verwoehnte ich sie mit einer Gesichts- u. Fussmassage. Dhanya schlief anschliessend tief und fest.

Im Grundton dieser familiaeren Klinik mit dem gepflegten gruenen Vorgarten und den unzaehligen Rosen und bluehenden Blumen in Terrakottatoepfen, diesem laechelnden, unermuedlichen Team schwingt die Liebe, die Liebe zur Arbeit, die Liebe zum Ayurveda, die Liebe zu den Patienten.

Elisabeth T.

April 2007